"Silber-Surfer" erobern das Internet
Zahl der Angebote für Menschen über 50 wächst
/ WWW ist nützliches Hilfsmittel für Senioren
Von unserem Mitarbeiter Tobias Döpker
Ab 50 ist man Senior - zumindest bei der Regionalgruppe Rhein-Main
des SeniorenNet. Diese Altersgrenze ist eine der wenigen Aufnahmebedingungen
des Zusammenschlusses älterer Menschen, die eine gemeinsame
Begeisterung für Computer und das Internet teilen.
Bundesweit drängen immer mehr ältere Menschen - von
bösen Zungen wegen der zumeist weißen Haare "Silber-Surfer"
getauft - ins Internet. Anfang 2001 waren nach Auskunft der Gesellschaft
für Konsumforschung rund 13 Prozent (Ende 1999: fünf
Prozent) der 60 bis 69 Jährigen im Internet aktiv. Damit
sind fünf Prozent aller Internetnutzer in Deutschland zwischen
60 und 69 Jahre alt - Tendenz steigend.
Dies bestätigt auch Beate Porombka von der Mannheimer Abendakademie.
Dort werden schon seit längerer Zeit im Bereich der Tagesakademie
für Ältere EDV-Orientierungskurse und Internetkurse
angeboten, die speziell auf die Lerngewohnheiten der Senioren
zugeschnitten sind. "Noch vor gut einem Jahr hatten wir nur die
Hälfte des Angebots", sagt Porombka. Auf Grund der großen
Nachfrage werde das Programm aber ständig aufgestockt. "Die
Kurse sind sämtlich voll und ausgebucht", erklärt Beate
Prombka. Auch im kommenden Programm, das am 20. August erscheint,
gibt es wieder eine umfangreiche Kurspalette für Senioren,
die sich mit dem Word Wide Web befassen wollen.
Denn die Vorteile des Internets, gerade für ältere
Menschen, liegen auf der Hand: Insbesondere für behinderte
und kranke Menschen kann das Internet ein Weg aus der Isolation
sein. Neben der Fülle der Informationen seien die Kontaktmöglichkeiten
für viele ein wesentlicher Punkt, sich mit der neuen Technik
vertraut zu machen, meint auch Günther Mehr, erster Vorsitzender
des SeniorenNet Rhein-Main. "Über unsere bundesweiten Kontakt-
und Mailinglisten knüpfen unsere Mitglieder Kontakte, aus
denen nicht selten Freundschaften werden", erklärt Mehr.
Bundesweit sind im SeniorenNet rund 1000 Senioren in zehn verschiedenen
Regionalgruppen organisiert.
In Frankfurt hat alles vor drei Jahren mit einem lockeren Stammtisch
von sieben Internet-Interessierten angefangen. "Wir haben schnell
gemerkt, dass es viele Interessierte gibt, die aber eigentlich
keine Ahnung von dem neuen Medium haben, erinnert sich Gründungsmitglied
Mehr. Heute hat das SeniorenNet Rhein-Main 285 Mitglieder zwischen
50 und 91 Jahren.
Ehrenamtlich veranstalten die Club-Mitglieder kostenlose Computerkurse,
in denen Gleichgesinnte den selbstständigen Umgang mit dem
PC erlernen. Sogar eine eigene Hotline hat der Club. "Wir arbeiten
gerade Kurse aus, die dann über das Internet angeboten werden",
sagt Mehr. Daneben bietet die Homepage ein PC-Lexikon, einen SeniorenChat,
Freizeittipps und eine Schreibwerkstatt, in der Reisegeschichten
und Buchempfehlungen präsentiert werden.
Doch nicht nur die Zahl der "Silber-Surfer" wächst, auch
das Angebot im Internet für Menschen über 50 erweitert
sich jeden Tag. Die Wirtschaft hat die zumeist zahlungskräftige
ältere Kundschaft längst für sich entdeckt. So
bietet zum Beispiel Senioren-Fachhandel.de im Internet Leselupen,
sprechende Uhren und Hörspiele an.
Doch von den "seniorengerechten Seiten" will Günther Mehr
nichts wissen. "Senioren brauchen keine speziellen Seiten. Man
kann alles lernen", sagt er. Die beliebtesten Webseiten in der
Regionalgruppe Rhein Main sind übrigens "normale" Reise-
und Börsenseiten.
© Mannheimer Morgen – 11.07.2001